Versicherungen für das Kleingewerbe: Was Pflicht ist und was sinnvoll (2026)
Kurz gesagt: Gesetzlich Pflicht sind für jedes Kleingewerbe nur zwei Dinge: die Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft innerhalb einer Woche (der Unternehmer selbst ist dort meist freiwillig versichert) und eine Krankenversicherung, die bei nebenberuflichem Gewerbe einfach die bisherige bleibt. Für einzelne Berufe kommen Pflichtversicherungen dazu: Berufshaftpflicht für Makler, Versicherungsvermittler, Hausverwalter, Anwälte und Steuerberater, Kfz-Haftpflicht für gewerbliche Fahrzeuge. Dringend empfohlen ist die Betriebshaftpflicht (100 bis 500 Euro im Jahr), weil Sie im Kleingewerbe unbeschränkt mit dem Privatvermögen haften. Alles Weitere hängt vom Risiko ab.
Pflicht, empfohlen, optional
| Versicherung | Status | Wofür | Kosten pro Jahr (Richtwert) |
|---|---|---|---|
| Berufsgenossenschaft (gesetzliche Unfallversicherung) | Pflicht: Anmeldung innerhalb einer Woche; Mitarbeiter pflichtversichert, Unternehmer je nach BG pflicht- oder freiwillig versichert | Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten, Wegeunfälle | 0 bis 150 Euro ohne Mitarbeiter |
| Krankenversicherung | Pflicht | Nebengewerbe: bisherige Versicherung bleibt; hauptberuflich: freiwillig gesetzlich oder privat | ab rund 250 Euro monatlich bei hauptberuflicher Selbstständigkeit |
| Betriebshaftpflicht | dringend empfohlen, in manchen Branchen Voraussetzung für Aufträge | Personen- und Sachschäden bei Dritten durch Ihre Tätigkeit, Mitarbeiter mitversichert | 100 bis 500 Euro |
| Vermögensschadenhaftpflicht (Berufshaftpflicht) | Pflicht für Makler, Versicherungs- und Finanzanlagenvermittler, Wohnimmobilienverwalter, Anwälte, Steuerberater; empfohlen für Berater, IT, Agenturen | reine Vermögensschäden durch Fehler in Beratung oder Leistung | 150 bis 800 Euro |
| Kfz-Haftpflicht gewerblich | Pflicht bei gewerblich genutzten Fahrzeugen | Schäden im Straßenverkehr | nach Fahrzeug |
| Inhaltsversicherung | optional | Einrichtung, Waren, Geräte gegen Feuer, Wasser, Einbruch | 100 bis 300 Euro |
| Betriebsunterbrechung | optional | laufende Kosten, wenn der Betrieb nach einem Schaden stillsteht | oft Baustein der Inhaltsversicherung |
| Rechtsschutz gewerblich | optional | Anwalts- und Prozesskosten bei Streit mit Kunden, Lieferanten, Behörden | 200 bis 500 Euro |
| Cyberversicherung | optional, sinnvoll bei Online-Handel und Kundendaten | Datenverlust, Hackerangriff, Haftung nach DSGVO | 150 bis 400 Euro |
| Freiwillige Arbeitslosenversicherung | optional, Antrag innerhalb von drei Monaten nach Gründung | Arbeitslosengeld bei Aufgabe der Selbstständigkeit | rund 90 Euro monatlich (2026) |
| Rentenversicherung | Pflicht nur für bestimmte Berufe (§ 2 SGB VI), sonst freiwillig | Altersvorsorge | 18,6 Prozent des Einkommens bei Pflicht |
Berufsgenossenschaft: die vergessene Pflicht
Jeder Unternehmer muss sein Unternehmen innerhalb einer Woche nach Gründung bei der zuständigen Berufsgenossenschaft anmelden (§ 192 SGB VII), auch ohne Mitarbeiter und auch im Nebenerwerb. Welche BG zuständig ist, richtet sich nach der Branche: VBG für Büro, Beratung und IT, BGHW für Handel, BGN für Gastronomie, BG BAU für Bau und Reinigung, BGW für Gesundheit und Kosmetik. Mitarbeiter sind dort automatisch unfallversichert; der Unternehmer selbst ist bei einigen BGs pflichtversichert (etwa BG BAU, BGN), bei anderen freiwillig. Ohne Mitarbeiter und ohne freiwillige Versicherung kostet die Mitgliedschaft nichts oder einen kleinen Grundbeitrag. Das Gewerbeamt leitet die Anmeldung meist weiter; verlassen Sie sich nicht darauf, sondern melden Sie sich selbst.
Betriebshaftpflicht und Berufshaftpflicht
Die Betriebshaftpflicht deckt Personen- und Sachschäden, die Sie, Ihre Mitarbeiter oder Ihre Produkte bei Dritten verursachen: Der Kunde stolpert im Laden, der Handwerker beschädigt das Parkett, die gelieferte Kerze setzt den Tisch in Brand. Sie prüft zugleich unberechtigte Ansprüche ab und wehrt sie ab (passiver Rechtsschutz). Für ein Kleingewerbe ohne Mitarbeiter kostet sie je nach Branche 100 bis 500 Euro im Jahr; Deckungssummen von 3 bis 5 Millionen Euro sind üblich.
Die Vermögensschadenhaftpflicht, oft Berufshaftpflicht genannt, deckt reine Vermögensschäden ohne Sach- oder Personenschaden: die falsche Steuerberechnung, der fehlerhafte Vertragstext, die verspätete Website, die dem Kunden Umsatz kostet. Für Berater, Buchhalter, Agenturen, IT-Dienstleister und alle, die für Kunden Entscheidungen vorbereiten, ist sie die wichtigere Police. Für Makler (§ 34c), Versicherungsvermittler (§ 34d), Finanzanlagenvermittler (§ 34f) und Wohnimmobilienverwalter ist sie gesetzlich vorgeschrieben und Voraussetzung der Erlaubnis.
Beide Versicherungen greifen nicht bei vorsätzlichen Schäden, Vertragsstrafen und Ansprüchen aus Nichterfüllung eines Vertrags.
Kranken- und Rentenversicherung
Im Nebengewerbe ändert sich an der Krankenversicherung nichts, solange die Anstellung, das Studium oder die Rente der Hauptstatus bleibt. Wer hauptberuflich selbstständig wird, versichert sich freiwillig in der gesetzlichen Kasse (Beitrag auf den Gewinn, mindestens auf 1.318,33 Euro monatlich, also rund 250 bis 280 Euro inklusive Pflegeversicherung) oder privat. Der Vergleich: Krankenversicherung für Selbstständige.
Die gesetzliche Rentenversicherung ist für Selbstständige freiwillig, außer für die Berufe in § 2 SGB VI: Lehrer und Erzieher, Pflegepersonen, Hebammen, Künstler und Publizisten (über die Künstlersozialkasse), Handwerker in der Handwerksrolle, Seelotsen, Küstenschiffer und Selbstständige mit nur einem Auftraggeber ohne Mitarbeiter. Sie zahlen 18,6 Prozent des Gewinns, in den ersten drei Jahren auf Antrag die Hälfte des Regelbeitrags. Wer nicht pflichtversichert ist, sollte privat vorsorgen: Rürup-Rente, ETF-Sparplan, Immobilie.
Häufige Fragen
Ist eine Betriebshaftpflicht für ein Kleingewerbe Pflicht?
Gesetzlich nicht, außer in den erlaubnispflichtigen Berufen. Praktisch ja: Ohne sie haften Sie mit Ihrem gesamten Privatvermögen, und viele Auftraggeber und Vermieter verlangen den Nachweis.
Muss ich mich bei der Berufsgenossenschaft anmelden, wenn ich allein arbeite?
Ja, die Anmeldung des Unternehmens ist Pflicht, unabhängig von Mitarbeitern. Ob Sie selbst versichert sind, hängt von der Berufsgenossenschaft ab; bei freiwilliger Versicherung entscheiden Sie. Ohne eigene Versicherung fallen meist keine oder nur geringe Beiträge an.
Reicht meine private Haftpflichtversicherung für das Kleingewerbe?
Nein. Die Privathaftpflicht schließt berufliche und gewerbliche Tätigkeiten ausdrücklich aus. Für ein Nebengewerbe brauchen Sie eine eigene Betriebshaftpflicht; manche Versicherer bieten für kleine Nebengewerbe günstige Tarife ab etwa 80 Euro im Jahr.
Kann ich Versicherungsbeiträge absetzen?
Betriebliche Versicherungen (Betriebshaftpflicht, Inhalt, Rechtsschutz, Cyber, Berufsgenossenschaft) sind Betriebsausgaben. Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung sind Sonderausgaben in der Einkommensteuererklärung.
Quellen und Rechtsgrundlagen
- § 192 SGB VII, Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft; § 6 SGB VII, freiwillige Versicherung von Unternehmern: gesetze-im-internet.de/sgb_7
- § 5 Abs. 5 und § 9 SGB V, Krankenversicherung Selbstständiger: gesetze-im-internet.de/sgb_5
- § 2 SGB VI, rentenversicherungspflichtige Selbstständige: gesetze-im-internet.de/sgb_6/__2.html
- § 28a SGB III, freiwillige Arbeitslosenversicherung: gesetze-im-internet.de/sgb_3/__28a.html
- § 34c, § 34d, § 34f GewO und zugehörige Verordnungen, Pflichtversicherungen: gesetze-im-internet.de/gewo
- Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, Zuständigkeit der Berufsgenossenschaften: dguv.de