Selbstgemachtes verkaufen: Wann brauche ich ein Gewerbe?
Kurz gesagt: Ohne Gewerbe darfst du Selbstgemachtes nur gelegentlich und ohne Gewinnabsicht verkaufen, etwa ein paar Stücke im Jahr zum Materialpreis. Sobald du regelmäßig verkaufst und damit Geld verdienen willst, ist es ein Gewerbe, auch bei kleinen Beträgen und neben dem Job; eine Umsatzgrenze für die Anmeldepflicht gibt es nicht. Die Anmeldung beim Gewerbeamt kostet 15 bis 65 Euro. Manche Techniken sind zulassungsfreie Handwerke (zum Beispiel Keramik, Gold- und Silberschmiede, Maßschneiderei); dann kommt die Eintragung bei der Handwerkskammer dazu, ein Meister ist nicht nötig. Plattformen wie Etsy melden Verkäufer ab 30 Verkäufen oder 2.000 Euro im Jahr an das Bundeszentralamt für Steuern.
Ohne Gewerbe verkaufen: Wann das geht
Die Gewerbeordnung kennt keine Bagatellgrenze. Entscheidend ist, ob deine Tätigkeit selbstständig, auf Dauer angelegt und auf Gewinn gerichtet ist (die vier Merkmale eines Gewerbes). Daraus ergibt sich:
| Situation | Gewerbe? |
|---|---|
| Einmal im Jahr auf dem Weihnachtsbasar 20 Schals zum Wollpreis verkaufen | nein, Hobby |
| Gelegentlich ein Bild an Freunde abgeben, ohne Preiskalkulation | nein |
| Etsy-Shop mit festem Sortiment, regelmäßigen Verkäufen und Preisen über den Materialkosten | ja |
| Monatlich auf Kreativmärkten verkaufen | ja |
| Material in größeren Mengen einkaufen, um Bestellungen zu erfüllen | ja |
| Eigene, gebrauchte Sachen auf Vinted oder Kleinanzeigen verkaufen | nein, Privatverkauf |
Anzeichen für ein Gewerbe sind ein eigener Shop oder Marktstand, Werbung, kalkulierte Preise und wiederkehrende Verkäufe. Wer nur Kosten deckt und ab und zu ein Stück abgibt, bleibt im Hobby. Im Zweifel ist die Anmeldung der sichere Weg: Sie kostet wenig und lässt sich wieder abmelden, eine unterlassene Anmeldung ist dagegen eine Ordnungswidrigkeit (Folgen).
Was Plattformen dem Finanzamt melden
Seit 2023 müssen Online-Marktplätze nach dem Plattformen-Steuertransparenzgesetz Verkäufer an das Bundeszentralamt für Steuern melden, die im Jahr mindestens 30 Verkäufe oder mindestens 2.000 Euro Erlös erreichen. Das betrifft Etsy, eBay, Amazon, Vinted und Kleinanzeigen gleichermaßen. Die Meldung bedeutet nicht automatisch, dass du gewerblich handelst, aber das Finanzamt kann nachfragen. Wer regelmäßig Selbstgemachtes verkauft, sollte deshalb angemeldet sein. Details: Etsy-Verkäufer.
Handwerk oder freies Gewerbe?
Viele kreative Techniken stehen in der Handwerksordnung. Zulassungsfreie Handwerke (Anlage B1) und handwerksähnliche Gewerbe (Anlage B2) darfst du ohne Meister betreiben; die Handwerkskammer trägt dich vor der Gewerbeanmeldung in ihr Verzeichnis ein. Beispiele:
- Keramik: zulassungsfreies Handwerk (Töpferei und Keramik)
- Schmuck aus Edelmetall: Gold- und Silberschmiede sind zulassungsfrei; Modeschmuck aus Perlen, Harz oder Textil ist kein Handwerk (Schmuck herstellen)
- Nähen: Maßschneiderei ist zulassungsfrei (Nähen und Schneidern)
- Torten und Kuchen: Konditor ist meisterpflichtig; ohne Meister geht es nur im Rahmen des Minderhandwerks (Torten verkaufen)
Kerzen, Seifen, Makramee, Drucke oder genähte Accessoires in kleinem Umfang sind in der Regel freie Gewerbe ohne Kammerbezug. Für die Gewerbeanmeldung reicht eine Tätigkeitsbeschreibung wie „Herstellung und Verkauf von handgefertigten Dekorationsartikeln und Accessoires, auch über das Internet“ (Formular ausfüllen).
Künstler oder Gewerbetreibender?
Wer eigenschöpferische Kunstwerke schafft, etwa Gemälde, Skulpturen oder künstlerische Druckgrafik, kann als freier Künstler nach § 18 EStG gelten: keine Gewerbeanmeldung, keine Gewerbesteuer, nur Anmeldung beim Finanzamt. Kunsthandwerk in Serie, Gebrauchsgegenstände und Merchandise sind dagegen Gewerbe. Das Finanzamt entscheidet im Einzelfall. Über die Aufnahme in die Künstlersozialkasse entscheidet die KSK gesondert; Voraussetzung ist eine künstlerische Tätigkeit mit mindestens 3.900 Euro Jahreseinkommen, außer für Berufsanfänger (Künstler).
Steuern: Kleinunternehmerregelung
Als Kleinunternehmer nach § 19 UStG weist du keine Umsatzsteuer aus, wenn dein Umsatz im Vorjahr höchstens 25.000 Euro betrug und im laufenden Jahr 100.000 Euro nicht übersteigt. Überschreitest du im laufenden Jahr die 100.000 Euro, endet die Regelung sofort; lagst du im Vorjahr über 25.000 Euro, bist du ab Januar regelbesteuert. Einkommensteuer zahlst du auf den Gewinn, Gewerbesteuer erst ab 24.500 Euro Gewerbeertrag. Den Gewinn ermittelst du mit der Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Mehr: Kleinunternehmerregelung.
Produktregeln für Handmade
Auch Einzelstücke müssen sicher sein. Seit Dezember 2024 gilt die EU-Produktsicherheitsverordnung (GPSR) für alle Verbraucherprodukte, auch für handgemachte: Auf dem Produkt oder der Verpackung stehen Name und Anschrift des Herstellers, im Online-Shop zusätzlich Angaben zum Hersteller und Sicherheitshinweise. Für einige Produktgruppen gelten strengere Regeln:
- Spielzeug: CE-Kennzeichnung und Sicherheitsbewertung nach der Spielzeugrichtlinie.
- Kosmetik wie Seifen, Cremes, Badebomben: Sicherheitsbewertung durch eine sachkundige Person und Meldung im EU-Kosmetikportal CPNP vor dem Verkauf.
- Lebensmittel: Registrierung bei der Lebensmittelüberwachung, Kennzeichnung mit Allergenen, Hygieneanforderungen an die Küche.
- Verpackungen: Wer verpackte Ware an Endkunden verschickt, registriert sich vor dem ersten Versand im Verpackungsregister LUCID.
Häufige Fragen
Kann ich Selbstgemachtes ohne Gewerbe verkaufen?
Ja, aber nur gelegentlich und ohne Gewinnabsicht, etwa wenige Stücke im Jahr zum Materialpreis. Wer regelmäßig verkauft und mehr als die Kosten einnehmen will, braucht ein Gewerbe, unabhängig von der Höhe des Umsatzes.
Ab wann muss ich für selbstgemachte Produkte ein Gewerbe anmelden?
Sobald du planmäßig und mit Gewinnabsicht verkaufst: mit eigenem Shop, kalkulierten Preisen oder regelmäßigen Marktständen. Eine Stückzahl- oder Umsatzgrenze gibt es nicht. Die Anmeldung erfolgt vor dem ersten Verkauf.
Kann ich auf Märkten ohne Gewerbe verkaufen?
Auf einem privaten Flohmarkt mit eigenen gebrauchten Sachen ja. Wer regelmäßig selbst hergestellte Ware auf Märkten anbietet, braucht ein Gewerbe. Auf festgesetzten Märkten genügt die normale Gewerbeanmeldung; eine Reisegewerbekarte ist nur nötig, wenn du außerhalb fester Märkte von Ort zu Ort verkaufst (Reisegewerbe).
Muss ich als Hobby-Verkäufer Steuern zahlen?
Bei echtem Hobby ohne Gewinnabsicht nicht. Sobald es ein Gewerbe ist, gehört der Gewinn in die Einkommensteuererklärung. Angestellte zahlen auf Nebeneinkünfte bis 410 Euro im Jahr keine Einkommensteuer (Härteausgleich nach § 46 EStG).
Brauche ich für Handmade eine Meisterprüfung?
In den meisten Fällen nicht. Keramik, Gold- und Silberschmiede und Maßschneiderei sind zulassungsfreie Handwerke ohne Meisterpflicht, verlangen aber die Eintragung bei der Handwerkskammer. Meisterpflichtig ist dagegen das Konditorhandwerk.
Kann ich als Handmade-Verkäufer die Kleinunternehmerregelung nutzen?
Ja. Bis 25.000 Euro Vorjahresumsatz und 100.000 Euro im laufenden Jahr stellst du Rechnungen ohne Umsatzsteuer aus. Das vereinfacht die Buchhaltung, du kannst aber keine Vorsteuer aus Materialeinkäufen abziehen.
Quellen und Rechtsgrundlagen
- § 14 GewO, Anzeigepflicht; § 146 GewO, Bußgeld: gesetze-im-internet.de/gewo
- Handwerksordnung, Anlage A und B: gesetze-im-internet.de/hwo
- Plattformen-Steuertransparenzgesetz (PStTG), Meldepflicht ab 30 Verkäufen oder 2.000 Euro: gesetze-im-internet.de/psttg
- § 19 UStG, Kleinunternehmer: gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__19.html
- Verordnung (EU) 2023/988 über die allgemeine Produktsicherheit (GPSR): eur-lex.europa.eu
- Verordnung (EG) 1223/2009 über kosmetische Mittel: eur-lex.europa.eu