Gewerbe anmelden für Amazon FBA & Amazon Händler
Gewerbe anmelden für Amazon FBA & Amazon Händler
Amazon ist der größte Online-Marktplatz Europas – und für viele der erste Schritt in die Selbstständigkeit. Ob du mit dem Fulfillment by Amazon (FBA)-Modell arbeitest, eigene Produkte verkaufst oder als Reseller fremde Waren anbietest: Wer auf Amazon systematisch Geld verdienen möchte, kommt um die Gewerbeanmeldung nicht herum.
Privater vs. gewerblicher Amazon-Verkäufer
Amazon selbst unterscheidet zwischen privaten und gewerblichen Verkäufern. Das Privatverkäuferkonto ist für gelegentliche Einzelverkäufe gedacht – zum Beispiel, wenn du alte Bücher oder Elektronik aussortierst. Sobald du aber regelmäßig einkaufst, um zu verkaufen, oder neue Waren vertreibst, behandelt Amazon dich als gewerblichen Anbieter und verlangt entsprechende Angaben.
Im deutschen Recht entsteht Gewerblichkeit unabhängig von der Kontotyp-Wahl bei Amazon. Entscheidend ist, ob du mit Wiederholungsabsicht und Gewinnerzielungsabsicht handelst. Das ist beim typischen Amazon-Verkauf nahezu immer der Fall – selbst wenn du noch kein Amazon Professional-Konto hast.
Was ist Amazon FBA?
Beim FBA-Modell lagerst du deine Ware in Amazon-Fulfillment-Centern. Amazon übernimmt Lagerung, Verpackung, Versand und Retourenmanagement. Du konzentrierst dich auf Beschaffung, Listings und Marketing. Das klingt einfach – steuerlich und rechtlich bringt FBA aber besondere Herausforderungen mit sich.
Da deine Waren in Amazon-Lagern in verschiedenen EU-Ländern liegen können (das sogenannte Pan-European FBA-Programm), entstehst du möglicherweise eine Umsatzsteuerpflicht in mehreren EU-Staaten gleichzeitig. Österreich, Polen, Tschechien oder Frankreich können betroffen sein – dort musst du dich umsatzsteuerlich registrieren lassen oder das OSS-Verfahren (One Stop Shop) nutzen.
Umsatzsteuer-ID bei Amazon – warum sie Pflicht ist
Amazon verlangt von gewerblichen Verkäufern eine gültige Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr.). Ohne diese kann Amazon dein Konto sperren oder Auszahlungen zurückhalten. Die USt-IdNr. beantragst du beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) – kostenlos, online und in der Regel innerhalb weniger Wochen.
Wenn du die Kleinunternehmerregelung nutzt, bekommst du zwar eine USt-IdNr., erhebst aber keine Umsatzsteuer auf deine Verkäufe. Das kann auf Amazon problematisch sein, da gewerbliche Käufer oft eine Umsatzsteuer-Rechnung benötigen. Viele Amazon-Händler wechseln daher frühzeitig zur Regelbesteuerung.
Gewerbeanmeldung für Amazon-Händler – der Ablauf
Die Gewerbeanmeldung erfolgt beim zuständigen Gewerbeamt. Du gibst als Gewerbetätigkeit „Handel mit Waren aller Art über das Internet" oder ähnliches an. Nach der Anmeldung erhältst du automatisch den steuerlichen Erfassungsbogen vom Finanzamt. Dort teilst du deine geplanten Umsätze mit und beantragst die USt-IdNr.
Die Unterlagen für die Gewerbeanmeldung sind überschaubar: Personalausweis, Anmeldeformular, ggf. Gewerbeschein-Gebühr von 15 bis 65 Euro.
Steuerliche Besonderheiten bei Amazon FBA
Neben der Umsatzsteuer gibt es weitere steuerliche Punkte, die Amazon-Händler kennen sollten: Einkaufspreise, Amazon-Gebühren, Lagergebühren und Werbekosten sind als Betriebsausgaben absetzbar. Bei Importen aus Drittstaaten (z. B. China) fällt Einfuhrumsatzsteuer an, die als Vorsteuer geltend gemacht werden kann – sofern du umsatzsteuerpflichtig bist. Ein Steuerberater mit E-Commerce-Erfahrung ist für FBA-Händler fast unverzichtbar.
Amazon und die DAC7-Meldepflicht
Seit 2023 meldet Amazon Verkäuferdaten an die Steuerbehörden, wenn bestimmte Schwellenwerte überschritten werden. Wer mehr als 2.000 Euro Umsatz oder 30 Transaktionen im Jahr erzielt, wird gemeldet. Unversteuerte Einnahmen auf Amazon können damit schnell auffliegen.
Häufige Fragen
Brauche ich als Amazon-Händler zwingend ein Gewerbe?
Ja. Sobald du regelmäßig und mit Gewinnabsicht auf Amazon verkaufst, bist du gewerbepflichtig. Das gilt unabhängig davon, ob du ein privates oder professionelles Amazon-Konto nutzt. Die Gewerbeanmeldung ist Pflicht.
Was ist der Unterschied zwischen Amazon FBA und normalem Amazon-Handel?
Beim FBA-Modell übernimmt Amazon Lagerung und Versand. Das ändert nichts an deiner Gewerbepflicht, führt aber zu zusätzlichen steuerlichen Verpflichtungen: Wenn deine Waren in Amazon-Lagern im EU-Ausland lagern, entsteht dort möglicherweise Umsatzsteuerpflicht.
Muss ich mich in mehreren EU-Ländern für die Umsatzsteuer registrieren?
Das hängt davon ab, ob du am Pan-European-FBA-Programm teilnimmst und ob deine Waren in ausländischen Lagern gehalten werden. Mit dem OSS-Verfahren kannst du alle EU-weiten B2C-Umsätze zentral über Deutschland melden. Für Lagerbestände im Ausland bleibt aber eine lokale Registrierung nötig.
Wie bekomme ich eine Umsatzsteuer-ID für mein Amazon-Konto?
Du beantragst die USt-IdNr. kostenlos online beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt). Die Bearbeitungszeit beträgt in der Regel 2–4 Wochen. Anschließend trägst du die Nummer in dein Seller Central-Konto ein.
Kann ich als Amazon-Händler die Kleinunternehmerregelung nutzen?
Ja, bis 25.000 Euro Jahresumsatz ist die Kleinunternehmerregelung möglich. Für viele Amazon-Händler ist sie aber wenig sinnvoll, da sie keinen Vorsteuerabzug auf Einkäufe und Amazon-Gebühren ermöglicht und gewerbliche Kunden Umsatzsteuer-Rechnungen benötigen.
Was kostet mich die Gewerbeanmeldung als Amazon-Händler?
Die Anmeldegebühr beim Gewerbeamt liegt je nach Gemeinde zwischen 15 und 65 Euro. Laufende Kosten entstehen durch Buchhaltung, ggf. Steuerberatung und Amazon-Seller-Gebühren. Details zu den Kosten des Gewerbescheins findest du auf der verlinkten Seite.
Was passiert, wenn Amazon meine Daten ans Finanzamt meldet und ich kein Gewerbe habe?
Das Finanzamt kann Steuernachzahlungen, Verspätungszuschläge und Zinsen verlangen. Im schlimmsten Fall wird Steuerhinterziehung geprüft. Melde dein Gewerbe lieber proaktiv – auch rückwirkend ist eine Selbstanzeige möglich.