Gewerbe anmelden als Lieferdienst / Essenslieferung
Lieferdienst / Essenslieferung – Gewerbe anmelden und loslegen
Der Markt für Essenslieferungen boomt. Ob selbst gekochte Mahlzeiten, Meal-Prep-Boxen oder Kurierdienste für Restaurants – wer Essen liefert, betreibt ein Gewerbe und muss sich entsprechend anmelden. Die Gewerbeanmeldung ist der erste und wichtigste Schritt auf dem Weg zu deinem eigenen Lieferdienst.
Gewerbeanmeldung: Was musst du angeben?
Bei der Gewerbeanmeldung beschreibst du deine Tätigkeit möglichst genau. Für einen Essenslieferdienst kommen je nach Geschäftsmodell folgende Angaben in Frage:
- „Lieferdienst für Speisen und Getränke"
- „Zubereitung und Lieferung von Mahlzeiten"
- „Kurierdienstleistungen für Lebensmittel"
Die Anmeldung erfolgt beim Gewerbeamt deiner Gemeinde. Die Kosten für den Gewerbeschein betragen je nach Gemeinde zwischen 20 und 60 Euro.
Startest du klein – zum Beispiel mit selbst gekochten Wochenmenüs für eine überschaubare Kundschaft – könnte das Kleingewerbe die passende Rechtsform sein. Als Kleingewerbetreibender hast du weniger Bürokratie und profitierst von Steuervorteilen, solange dein Jahresgewinn gering ist.
Kochst du selbst? Dann gelten Lebensmittelvorschriften
Wenn du Speisen selbst zubereitest und auslieferst, bist du ein Lebensmittelunternehmer und musst dich beim Gesundheitsamt anmelden. Das umfasst:
- Registrierung deiner Produktionsstätte (auch Privatküche kann in manchen Gemeinden zulässig sein, in anderen nicht)
- Nachweis einer Schulung nach § 43 IfSG (Gesundheitspass) für alle Personen, die mit Lebensmitteln arbeiten
- Umsetzung eines HACCP-Konzepts: Temperaturkontrolle, Haltbarkeit, Hygienedokumentation
- Klärung, ob deine Küche für gewerbliche Lebensmittelproduktion zugelassen ist
Besonders wichtig: Lieferst du warme Speisen, muss die Kühlkette oder Warmhaltung dokumentiert werden. Verstöße können teuer werden.
Fährst du nur aus? Auch das muss angemeldet sein
Wenn du keine eigenen Speisen produzierst, sondern als Kurierfahrer für Restaurants arbeitest – entweder selbstständig oder über eine Plattform wie Lieferando –, gelten andere Regeln. In diesem Fall bist du Dienstleister und meldest dein Gewerbe als „Kurierdienstleistungen" an. Lebensmittelrechtliche Anforderungen treffen dann primär den Restaurantbetreiber, aber auch du trägst Verantwortung für die sachgemäße Lagerung während des Transports.
Fahrzeug und Zulassung
Für deinen Lieferdienst brauchst du zugelassene Fahrzeuge. Wichtige Punkte:
- Pkw oder Transporter: Muss auf deinen Namen oder dein Unternehmen zugelassen sein
- Versicherung: Achte darauf, dass deine Kfz-Versicherung gewerbliche Fahrten abdeckt – viele Privatverträge schließen das aus
- Kühlboxen und Warmhaltebehälter: Sicherstellen, dass Lebensmittel hygienisch transportiert werden
- Fahrrad- oder Moped-Lieferung: Besonders in Städten verbreitet – auch hier braucht das Fahrzeug je nach Art eine Zulassung und Versicherung
Unterlagen für die Gewerbeanmeldung
Für die Gewerbeanmeldung deines Lieferdienstes benötigst du:
- Personalausweis oder Reisepass
- Ausgefülltes Anmeldeformular
- Ggf. Aufenthaltstitel
Falls du selbst kochst und das Gesundheitsamt involviert ist, kommen Nachweise über Schulungen und ggf. Gutachten über die Produktionsstätte hinzu.
Versicherung und Haftung
Ein Lieferdienst birgt spezifische Risiken – von einem Verkehrsunfall bis hin zu einem Lebensmittelschaden beim Kunden. Folgende Versicherungen sind empfehlenswert:
- Kfz-Haftpflicht mit gewerblicher Nutzung
- Betriebshaftpflicht
- Produkthaftpflicht (wenn du selbst produzierst)
Steuern und Mehrwertsteuer
Speisen zum Mitnehmen oder zur Lieferung werden in der Regel mit 7 % Mehrwertsteuer besteuert. Ob du Regelbesteuerung oder die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG nutzt, hängt von deinem Jahresumsatz ab. Kläre das mit deinem Steuerberater.
Häufige Fragen
Brauche ich für einen Essenslieferdienst eine besondere Genehmigung?
Wenn du selbst Speisen produzierst, brauchst du eine Anmeldung beim Gesundheitsamt und musst Lebensmittelhygienevorschriften einhalten. Eine spezielle „Lieferdienst-Erlaubnis" gibt es nicht – die Grundlage ist die Gewerbeanmeldung.
Kann ich meinen Lieferdienst von zuhause aus betreiben?
Das hängt von deiner Gemeinde ab. Manche erlauben gewerbliche Lebensmittelproduktion in der Privatküche, andere nicht. Frage beim Gesundheitsamt nach, bevor du loslegst.
Was kostet die Gewerbeanmeldung für einen Lieferdienst?
Der Gewerbeschein kostet zwischen 20 und 60 Euro. Hinzu kommen Kosten für Gesundheitsamt-Anmeldung, Schulungen und Fahrzeugversicherung.
Muss meine Kfz-Versicherung gewerbliche Fahrten abdecken?
Ja, das ist wichtig. Viele private Kfz-Versicherungen decken gewerbliche Nutzung nicht ab. Schließe eine geeignete gewerbliche Kfz-Versicherung ab, bevor du mit der Lieferung beginnst.
Kann ich einen Lieferdienst als Kleingewerbe führen?
Ja, wenn dein Jahresgewinn unter dem Freibetrag liegt. Mehr dazu unter Kleingewerbe.
Welche Unterlagen brauche ich für die Gewerbeanmeldung?
Personalausweis und Anmeldeformular sind Mindestvoraussetzung. Eine vollständige Übersicht gibt es unter Gewerbeschein Unterlagen.
Darf ich über Plattformen wie Lieferando liefern und trotzdem selbstständig sein?
Ja. Viele Kurierfahrer sind selbstständig und arbeiten auf Plattformen. Du musst jedoch ein Gewerbe anmelden und eigenständig für deine Steuern und Sozialabgaben sorgen.