Gewerbe anmelden als Händler: Flohmarkt, Wochenmarkt, Antiquitäten, Tiere, Honig
Kurz gesagt: Wer Waren einkauft, um sie mit Gewinn weiterzuverkaufen, betreibt ein Gewerbe, ob im Laden, auf dem Markt oder online. Handel ist grundsätzlich erlaubnisfrei; Ausnahmen sind der Tierhandel (Erlaubnis nach § 11 Tierschutzgesetz), der An- und Verkauf hochwertiger Gebrauchtwaren wie Antiquitäten, Schmuck und Elektronik (Zuverlässigkeitsprüfung nach § 38 GewO) und der Verkauf außerhalb fester Betriebsstätten und festgesetzter Märkte (Reisegewerbekarte nach § 55 GewO). Nicht gewerblich sind der gelegentliche Verkauf eigener gebrauchter Sachen auf dem Flohmarkt und der Verkauf selbst erzeugten Honigs, der als Landwirtschaft gilt.
Welcher Handel braucht was
| Tätigkeit | Einstufung | Zusätzlich zur Gewerbeanmeldung | Start meist als |
|---|---|---|---|
| Antiquitätenhandel | Gewerbe | überwachungsbedürftiges Gewerbe (§ 38 GewO): Führungszeugnis und Gewerbezentralregister nach der Anmeldung; Differenzbesteuerung möglich | Kleingewerbe |
| Flohmarktverkäufer | privat bei eigenen gebrauchten Sachen; Gewerbe bei Zukauf, Neuware oder regelmäßigem Verkauf | auf festgesetzten Märkten keine Reisegewerbekarte; Standgebühr | Kleingewerbe |
| Imkerei / Honig | Landwirtschaft, kein Gewerbe bei eigenem Honig; Gewerbe bei Zukauf oder Handel mit Fremdhonig | Anzeige der Bienenhaltung beim Veterinäramt, Honigverordnung und Lebensmittelkennzeichnung | Landwirt (Finanzamt) |
| Marktstand / Wochenmarkt | Gewerbe | Zulassung des Marktveranstalters (§ 70 GewO); Reisegewerbekarte nur außerhalb festgesetzter Märkte; bei Lebensmitteln IfSG-Belehrung | Kleingewerbe |
| Tierhandel | Gewerbe | Erlaubnis nach § 11 Abs. 1 Nr. 8b TierSchG vom Veterinäramt, Sachkundenachweis, geeignete Räume | Einzelunternehmen |
Was im Handel zählt
Privat oder gewerblich. Der Verkauf eigener, gebrauchter Sachen ist keine gewerbliche Tätigkeit, auch nicht auf mehreren Flohmärkten im Jahr. Gewerblich wird es, wenn Sie Ware zum Weiterverkauf beschaffen, Neuware oder selbst Hergestelltes anbieten oder planmäßig und dauerhaft verkaufen. Dieselben Kriterien wie bei eBay gelten auf dem Marktplatz.
Reisegewerbekarte oder Marktprivileg. Wer außerhalb einer festen Betriebsstätte verkauft (Haustür, Straße, Parkplatz, selbst organisierte Verkaufsstände), braucht die Reisegewerbekarte nach § 55 GewO vom Gewerbeamt: Führungszeugnis, Gewerbezentralregister, Gebühr 40 bis 200 Euro. Auf Wochenmärkten, Flohmärkten, Messen und Volksfesten, die die Gemeinde nach § 69 GewO festgesetzt hat, gilt das Marktprivileg: Dort genügen Gewerbeanmeldung und Zulassung durch den Veranstalter. Ob ein Markt festgesetzt ist, sagt das Ordnungsamt.
Überwachungsbedürftige Gewerbe. Der An- und Verkauf von Antiquitäten, Kunst, Schmuck, Edelmetallen, Unterhaltungselektronik und Gebrauchtfahrzeugen gehört zu den überwachungsbedürftigen Gewerben nach § 38 GewO. Sie melden das Gewerbe ganz normal an; das Gewerbeamt fordert danach Führungszeugnis und Gewerbezentralregisterauszug an und prüft die Zuverlässigkeit. Bei Ankauf von Privatpersonen lohnt die Differenzbesteuerung (§ 25a UStG), bei der nur die Marge der Umsatzsteuer unterliegt.
Tiere und Lebensmittel. Der gewerbsmäßige Handel mit Wirbeltieren ist erlaubnispflichtig nach § 11 Tierschutzgesetz; das Veterinäramt prüft Sachkunde und Unterbringung. Lebensmittel auf dem Markt (auch Honig, Marmelade, Eier) erfordern die Belehrung nach § 43 IfSG, Registrierung bei der Lebensmittelüberwachung und korrekte Kennzeichnung.
So gehen Sie vor
- Prüfen Sie, ob Sie überhaupt gewerblich handeln. Bei reinem Verkauf eigener Sachen oder eigenem Honig ist kein Gewerbeamt nötig.
- Erlaubnisse vorab: Tierhandel beim Veterinäramt, Reisegewerbekarte beim Gewerbeamt (Bearbeitung zwei bis vier Wochen).
- Gewerbe anmelden beim Gewerbeamt, 15 bis 65 Euro. Tätigkeit konkret angeben, etwa „Einzelhandel mit Antiquitäten und Gebrauchtmöbeln, An- und Verkauf“.
- Finanzamt-Fragebogen innerhalb eines Monats, Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW), bei Lebensmitteln Gesundheitsamt und Lebensmittelüberwachung.
Häufige Fragen
Wie oft darf ich auf dem Flohmarkt verkaufen, ohne ein Gewerbe anzumelden?
Es gibt keine Zahl. Solange Sie eigene gebrauchte Sachen verkaufen, bleibt es privat, auch bei regelmäßiger Teilnahme. Gewerblich wird es durch Zukauf, Neuware oder Verkauf für Dritte gegen Provision.
Brauche ich für einen Stand auf dem Wochenmarkt eine Reisegewerbekarte?
Nein, wenn der Markt von der Gemeinde festgesetzt ist, was bei Wochenmärkten die Regel ist. Sie brauchen die Gewerbeanmeldung und die Zulassung des Marktbetreibers. Die Reisegewerbekarte ist nur für den Verkauf außerhalb solcher Veranstaltungen nötig.
Ist die Imkerei ein Gewerbe?
Nein, die Haltung von Bienen und der Verkauf des eigenen Honigs sind Landwirtschaft (§ 13 EStG). Bis 30 Völker nimmt das Finanzamt sogar keinen steuerlichen Gewinn an. Gewerblich wird es erst, wenn Sie Honig zukaufen oder Imkereibedarf handeln.
Muss ich beim Antiquitätenhandel ein Führungszeugnis vorlegen?
Ja. Das Gewerbeamt fordert es nach der Anmeldung an, weil der Handel mit Antiquitäten, Kunst und Schmuck zu den überwachungsbedürftigen Gewerben gehört. Eine Erlaubnis vorab ist nicht nötig, der Betrieb darf sofort starten.
Quellen und Rechtsgrundlagen
- § 38 GewO, überwachungsbedürftige Gewerbe: gesetze-im-internet.de/gewo/__38.html
- § 55 GewO, Reisegewerbekarte; §§ 64–71b GewO, Messen, Märkte, Marktprivileg: gesetze-im-internet.de/gewo/__55.html
- § 11 Tierschutzgesetz, Erlaubnis für Tierhandel: gesetze-im-internet.de/tierschg/__11.html
- § 13 EStG, Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft (Imkerei): gesetze-im-internet.de/estg/__13.html
- § 25a UStG, Differenzbesteuerung: gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__25a.html
- Honigverordnung: gesetze-im-internet.de/honigv_2004